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Studieren fürs Arbeiten oder Arbeiten fürs Studieren?

Momentan arbeiten über 60 Prozent der Studierenden, um sich ihr Studium zu finanzieren. Das nicht nur geringfügig, sondern auch Teil- und Vollzeit. Kaum jemand kann sich noch voll auf sein Studium konzentrieren und die Wenigsten haben das Glück in dem Bereich arbeiten zu können, in dem sie auch später arbeiten wollen. In diesem Artikel wollen wir uns deshalb den Herausforderungen und Problemen dieser Doppelbelastung widmen.

Die prekäre finanzielle Lage zwingt viele Studierende zu einem Nebenjob. In der Regel hat diese Nebentätigkeiten nichts mit ihrem Studium zu tun. Trotzdem muss neben dem Studium noch Zeit bleiben die geforderten und oft unbezahlten Praktika zu absolvieren. Auch das Auslandssemester, das mittlerweile in jedem Lebenslauf vorausgesetzt wird, ist mit Berufstätigkeit kaum vereinbar. Die Studiendauer verlängert sich somit erheblich und es kommt zur Überschreitung der Altersgrenzen für verschiedene Beihilfen. Auch Bezieher_innen von Selbsterhalterstipendien haben hier zunehmend Probleme. Die jährlichen Zuverdienstgrenzen zwingen Studierende teilweise zu einem Lebensstandard nahe an oder unter der Armutsgrenze. Deshalb setzen wir uns für eine Reform des Beihilfensystems ein.

Um die Situation der berufstätigen Studierenden zu verbessern, schlagen wir eine bessere Vernetzung der Hochschulen mit dem Arbeitsmarkt vor, wovon alle Beteiligen profitieren würden. Durch den Einsatz von Studierenden als Mitarbeiter_innen in den einschlägigen Betrieben, steht dem Unternehmen qualifiziertes und motiviertes Personal zur Verfügung und Studierende können ihr Fachwissen vertiefen und anwenden. Bisher ist die Umsetzung dessen kaum ohne private Kontakte möglich und es mangelt fast überall an fairer Entlohnung. Daher sollten Stellen über die Hochschulen ausgeschrieben werden angemessene Bezahlung für einschlägige Nebenjobs und Praktika gesetzlich verankert werden. Von Seiten der Universitäten wären beispielsweise flexiblere Lehrveranstaltungszeiten oder mehr online abrufbare Vorlesungsaufzeichnungen wünschenswert, um dies leichter umsetzen zu können.

Wenn schon Arbeit neben dem Studium erforderlich sein muss, dann sollte sie zumindest fair entlohnt und nützlich für die Ausbildung sein!

von Talia Cansiz und Marlies Grossberger
für Zeitung der ÖH Uni-Graz, “Libelle” 01/14